600 Labormodule wurden an einem der führenden und größten Biotech-Standorte Europas mit Revizto koordiniert

Projektübersicht
Das neue Diagnostics Innovation Centre von Roche im bayerischen Penzberg ist einer der führenden und größten Biotech-Standorte Europas. Mit rund 7.900 Beschäftigten ist es zudem der zweitgrößte Roche-Standort in Deutschland. Roche Penzberg ist auf therapeutische Proteine, diagnostische Tests, Analysesysteme und Biopharmazeutika spezialisiert.
Zusammenführung von 60 % der FuE-Mitarbeitenden im Bereich Diagnostik in einem Gebäude, das für die nächsten 50 Jahre konzipiert ist
Im Laufe der Jahre wuchs der Standort Penzberg parallel zu seinem Forschungsbereich Diagnostik. Die immer größer werdenden Teams verteilten sich über den gesamten Campus und belegten jeden verfügbaren Quadratmeter Laborfläche. Die Lösung war ein neues Forschungsgebäude: 34.700 m² verteilt auf sechs Vollgeschosse, ein Untergeschoss und ein Technikzentrum, mit 668 Räumen in zwei miteinander verbundenen Trakten für rund 1.000 Mitarbeitende.
Das Gebäude selbst besteht aus zwei Trakten, die durch Brücken in einem zentralen Atrium miteinander verbunden sind. Der Laborflügel – ein sechsstöckiges Stahlbetongebäude – beherbergt vollständig ausgestattete Laboretagen, die sowohl für klassische Laborplätze als auch für großformatige Analysegeräte ausgelegt sind. Die Biosafety Levels S1 und S2 sind durch einen Flur und eine Etage voneinander getrennt. Der Bürokomplex, eine Holz-Hybridkonstruktion mit tragenden Elementen und Betonbodenplatten, beherbergt alle Bürofunktionen, die zuvor auf den Laboretagen untergebracht waren. Analysten, Gruppenleiter und Projektmanager nutzen nun einen gemeinsamen Arbeitsbereich und treffen sich an einer gemütlichen Kaffeestation, anstatt nur bei formellen Anlässen.
Das Ziel ging über eine bloße Zusammenlegung hinaus. Jedes Labormodul wurde sowohl hinsichtlich der Erstausstattung als auch jeder denkbaren zukünftigen Konfiguration geplant – noch nicht installierte Versorgungsanschlüsse, noch nicht errichtete Wandpositionen, noch nicht benötigte Geräteanordnungen – alles wurde vom ersten Tag an im Modell erfasst.
Die Konzeptplanung begann im Oktober 2020, der erste Spatenstich folgte im Februar 2022 und das Gebäude wurde im Oktober 2025 erstmals bezogen. Die vollständige Übergabe erfolgte im Februar 2026.

Wie Revizto allen Beteiligten Zugang zum Modell ermöglichte
Der IT-Stack des Projekts umfasste Revit für die Entwurfserstellung, ACC für die Dateiverwaltung und Revizto als gemeinsame Plattform für Visualisierung und Koordination. Revizto kam auf direkte Empfehlung von Roche Basel nach Penzberg. Dessen Team hatte etwa sechs bis zwölf Monate zuvor ein paralleles Großprojekt durchgeführt. Dank dieses Wissenstransfers konnte Penzberg mit einer bewährten Konfiguration beginnen, anstatt die Tools von Grund auf neu bewerten zu müssen.
Der kritische Beitrag von Revizto war der Zugang. Mit Revit allein war es nicht möglich, allen Beteiligten – Projektmanagern, ausführenden Gewerken und Forschern ohne Erfahrung im Bereich technische Zeichnungen – einen aussagekräftigen Einblick in das Modell zu gewähren. Revizto machte das Modell für alle navigierbar. Für Forscher, die nicht an Baupläne gewöhnt sind, wurden VR-Sitzungen eingerichtet. So konnten sie ihre zukünftigen Arbeitsbereiche erleben und Anregungen geben, bevor die Bauleitung endgültige Entscheidungen traf.
Direkt in Revizto aufgenommene Screenshots flossen in die Präsentationen des Lenkungsausschusses ein, ohne dass separate Renderings in Auftrag gegeben werden mussten. Und wenn Mengen für die Ausschreibung von Dienstleistungsverträgen ermittelt werden mussten, konnten gefilterte Modelldaten aus dem gesamten Modell extrahiert werden, ohne spezielle Tools oder manuelle Zählung nach Gewerken.
„Wenn man nur ein Tool und verschiedene Ausgabeeinheiten hat – einen großen Bildschirm, ein VR-Headset, ein iPad –, navigiert man zu dem, was man sehen möchte, macht einen Screenshot und fügt diesen direkt in die Präsentation für das Steering Committee ein. Es muss kein Architekt beauftragt werden.“
Hubert Mock, Projektleiter, Roche in Penzberg

600 Module, unendliche Konfigurationen: Bauen für das Labor, das es noch nicht gibt
Die zentrale Herausforderung bei der Planung war nicht, das Labor so zu bauen, wie es heute existiert – sie bestand darin, ein Labor zu schaffen, das morgen etwas ganz anderes werden könnte. Die Diagnostikforschung in dieser Größenordnung nutzt zwei grundlegend unterschiedliche Laborformate: klassische Labortische mit Standard-Arbeitsflächen und großformatige Gerätelabore mit bodenstehenden Analysegeräten, die keinem Standard-Raster folgen. Beide mussten auf denselben Geschossflächen koexistieren, mit derselben Versorgungsinfrastruktur um sie herum.
Die Lösung war eine modulare Planung: ein Basismodul, das vollständig auf beide Labortypen ausgelegt war und im gesamten Gebäude etwa 600 Mal wiederholt wurde – jedes Modul individuell angepasst, aber alle nach derselben strukturellen Logik. Jeder Versorgungsanschluss, ob bereits verlegt oder nicht, wurde kartiert. Jede Wandposition, ob bei Bezug erforderlich oder nicht, wurde geplant. Das Ergebnis war ein Gebäude, das am ersten Tag wie eine standardmäßige Erstausstattung aussah – und am zweiten Tag an jeder Stelle neu konfiguriert werden konnte, ohne der Logik des Gebäudes selbst zuwiderzulaufen.
„Ein Projekt in dieser Komplexität, in dieser Dichtheit der Installationen – ohne Revizto hätte das nicht funktioniert. Das ist schwarz-weiß: Hätte es funktioniert? Nein.“
Hubert Mock, Projektleiter, Roche in Penzberg

Herausforderungen und Lösungen
Forscher werden zu Entwurfsprüfern
Vor dem Einsatz von Revizto mussten zur Einholung von aussagekräftigem Feedback die Wissenschaftler (und tatsächlichen künftigen Nutzer des Gebäudes) entweder gebeten werden, technische Zeichnungen zu lesen – was den meisten nicht gelang –, oder zeit- und kostenaufwändige Architekturvisualisierungen in Auftrag gegeben werden. Die Lösung war eine spezielle VR-Station, die eigens für Sitzungen mit Nutzergruppen eingerichtet wurde. Die Forscher setzten Headsets auf und durchschritten ihre zukünftigen Räumlichkeiten, noch bevor auch nur eine einzige Wand errichtet wurde. Sie konnten die räumliche Logik der Biosicherheitsabgrenzung erkennen, die Beziehung ihrer Gruppe zu benachbarten Teams verstehen und Bedenken hinsichtlich Arbeitsabläufen äußern, die auf einem Grundriss nicht erkennbar gewesen wären. Dank der Möglichkeit, in Revizto jede beliebige Ansicht einzunehmen, die richtigen Farben und Konfigurationen anzuwenden und eine technisch genaue Darstellung zu erstellen – und diese dann als Screenshot für eine Präsentation zu speichern oder auf ein VR-Headset zu übertragen – konnte das Modell als Kommunikationsplattform für das gesamte Gebäude dienen, vom BIM-Team bis hin zu den Forschern.

So sicherte der Revizto Collaboration Hub den Erfolg
Einheitliche 2D/3D-Umgebung: Bereitstellung einer einheitlichen Navigationsumgebung für Projektmanager, ausführende Gewerke und Kundenvertreter – wobei Grundrissansichten und der Zugriff auf 3D-Modelle kombiniert wurden, ohne dass Revit-Lizenzen oder spezielle Schulungen für das gesamte Projektteam erforderlich waren.
AR-, VR- und QR-Codes: Ermöglichung von VR-Sitzungen für Benutzergruppen, in denen Forscher, die mit technischen Zeichnungen nicht vertraut waren, zukünftige Arbeitsbereiche begutachten und sinnvolle Anregungen geben konnten, bevor die Bauentscheidungen endgültig festgelegt wurden.
Integriertes Aufgabenmanagement: Unterstützte Workflows zur Kollisionsprüfung und Koordination in der hochdichten MEP-Installation des Gebäudes boten dem gesamten Gewerketeam eine gemeinsame Arbeitsumgebung zur Identifizierung und Behebung von Problemen während der Planungsphase.
Vernetzte Projektintelligenz: Bereitstellung einer projektweiten Modelltransparenz, die die Phasenplanung und das Konfigurationsmanagement über 600 Labormodule hinweg unterstützte – dabei wurde der anfängliche Ausstattungsumfang auf jeder Ebene mit der Gesamtkapazität des Gebäudes abgeglichen.
Modelldaten-Extraktion: Ermöglichung von Mengenermittlungen für wartungsrelevante Gebäudekomponenten – Brandschutzklappen, Absperrventile und technische Anlagen – direkt aus dem vollständig koordinierten Modell für die Ausschreibung von Wartungsverträgen.