Warum jedes Land einen digitalen Aktionsplan für das Bauwesen braucht
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Rhys Lewis, Director EMEA bei Revizto und Co-Vorsitzender der Wales Digital Steering Group, erklärt: Der Wert eines nationalen digitalen Aktionsplans liegt nicht im Plan selbst, sondern in der gemeinsamen Richtung und den praktischen Werkzeugen, die daraus entstehen.
Über digitale Transformation lässt sich leicht reden. Sie über ein ganzes Ökosystem hinweg zu organisieren, ist deutlich schwieriger.
Genau deshalb finde ich die Arbeit in Wales so spannend. Seit mehr als einem Jahrzehnt arbeiten engagierte Vertreterinnen und Vertreter der walisischen Baubranche, Constructing Excellence in Wales, die walisische Regierung und ich selbst daran, eine klarere, gemeinsame Richtung für die digitale Transformation im AEC-Bereich zu schaffen.
Diese Arbeit mündete in den Launch des Built Environment Mission Statement und des Digital Action Plan for Construction im Senedd, dem walisischen Parlament. Ich bin sehr stolz darauf, daran mitgewirkt zu haben.
Die Idee dahinter reicht weit über Wales hinaus. In jedem Land besteht die gebaute Umwelt aus Organisationen – öffentlichen wie privaten –, die sich unterschiedlich schnell bewegen, unterschiedliche Technologien einsetzen und mit unterschiedlichen Hürden kämpfen.
Ein digitaler Aktionsplan kann das alles nicht lösen. Er kann der Branche aber eine gemeinsame Richtung geben und klarer machen, wie echter Fortschritt aussieht.
Ein Plan nützt nur, wenn man danach handeln kann
Der Begriff digitale Transformation umfasst inzwischen fast alles: BIM, Informationsmanagement, Reality Capture, Automatisierung, vernetzte Daten, KI und vieles mehr.
Das Problem: Eine Branche verändert sich nicht allein dadurch, dass mehr Technologie verfügbar wird.
Das Bauwesen gehört nach wie vor zu den am wenigsten digitalisierten großen Branchen – und gleichzeitig steigen die Anforderungen weiter: mehr Wohnraum, mehr Infrastruktur, mehr Sanierung, bei weniger Zeit und weniger Ressourcen, als die Branche eigentlich braucht. Genau deshalb wiegt das Versprechen der Digitalisierung hier schwerer als in den meisten anderen Branchen. Es geht nicht um Technologie um ihrer selbst willen. Es geht um eine wirklich effizientere Abwicklung – in einer Branche, die sich alles andere nicht leisten kann.
Die hilfreichere Frage lautet: Können Unternehmen mit digitalen Ansätzen besser arbeiten, bessere Entscheidungen treffen und besser zusammenarbeiten? Genau dorthin bewegt sich die Arbeit in Wales.
In der Wales Digital Steering Group bauen wir derzeit die Ebene unterhalb des Aktionsplans auf: das Digital Toolkit, Nutzerpersonas, eine Ressourcenbibliothek, walisische Fallstudien und ein Digital Profile, das Organisationen zeigen soll, wo digitale Frameworks ihnen tatsächlich helfen können.
Eine nationale Strategie kann die Richtung vorgeben. Unternehmen müssen aber trotzdem wissen, wie ihr nächster Schritt aussieht.

Den einen digitalen Weg gibt es nicht
Eine der wertvollsten Diskussionen drehte sich um die Vielfalt der Baubranche selbst.
Ein großes Infrastrukturunternehmen, ein kleiner Spezialbetrieb, ein Architekturbüro, ein Ingenieurbüro und ein Bauherr gehören alle zur gebauten Umwelt – ihre Anforderungen unterscheiden sich jedoch grundlegend. Damit wird die Vorstellung einer einzigen, universellen Reifegradskala schwierig. Das war eines der zentralen Themen unserer letzten Sitzung der Steering Group.
Ein Unternehmen kann in einem Bereich sehr weit sein und in einem anderen vergleichsweise einfach aufgestellt – und genau das kann für seine Arbeit völlig richtig sein.
Deshalb beschäftigen wir uns derzeit mit der Idee eines Digital Profile: Es bildet unterschiedliche Rollen, Organisationen und Projektumgebungen ab, statt davon auszugehen, dass alle denselben Weg gehen.
Damit verschiebt sich die Frage von „Wie digital reif sind Sie?“ hin zu „Wo könnte Digitalisierung Ihnen wirklich helfen, besser zu werden?“. Das halte ich für die deutlich bessere Frage – und sie gilt weit über Wales hinaus.

Ohne alle Stakeholder geht es nicht
Ich leite die Wales Digital Steering Group gemeinsam mit Dan Rossiter – zusammen mit Constructing Excellence in Wales, der walisischen Regierung und einer breiteren Gruppe von Fachleuten aus der Branche. Diese Mischung ist entscheidend.
Regierung, Bauunternehmen, Planungsbüros, Bauherren, Branchenverbände und Technologieanbieter sehen jeweils einen anderen Teil des Problems. Damit ein nationales Digitalprogramm etwas bringt, müssen all diese Perspektiven zusammen betrachtet werden.
Dieselbe Zusammenarbeit zeigte sich beim Launch des Mission Statement und des digitalen Aktionsplans im Senedd – mit Cat Griffith-Williams, damals CEO von CEW, und Rebecca Evans, damals Kabinettsministerin für Wirtschaft, Energie und Planung, die die Arbeit in die breitere Agenda der walisischen Baubranche eingebracht haben.
Wichtig ist auch: Nichts davon hat erst vor Kurzem begonnen. In Wales treiben Menschen dieses Thema seit über einem Jahrzehnt voran, und dem Aktionsplan gingen Jahre gemeinsamer Arbeit in der Branche voraus – ursprünglich angestoßen von Dan, mir und einer Gruppe engagierter Fachleute.
Auch deshalb wäre ich vorsichtig damit, einen nationalen Digitalplan als schnelle Lösung zu betrachten. Der Plan zählt – aber die Community, die Erfahrung und die Dynamik dahinter zählen ebenso.
„Der digitale Aktionsplan war ein echter Katalysator für die walisische Baubranche. Es gab bereits mehrere Initiativen zur Unterstützung der nationalen digitalen Transformation. Ein Aktionsplan der walisischen Regierung hat es uns jedoch ermöglicht, Auftraggeber, Fachleute, Gewerke und Regierung hinter einer gemeinsamen Vision für Wales zu versammeln.“
Dan Rossiter FCIAT, Head of Standards, Built Environment, BSI
Warum das über Wales hinaus wichtig ist
Ich glaube nicht, dass jedes Land kopieren sollte, was Wales tut – das würde am Kern vorbeigehen. Jeder Markt hat eigene Vergabestrukturen, eigene digitale Kompetenzen, eigene Branchenverbände und eigene Herausforderungen. Ein guter Aktionsplan sollte diese Realität abbilden, statt das Modell eines anderen zu übernehmen.
Ich bin aber überzeugt: Jedes Land profitiert von einer gemeinsamen Richtung für seine gebaute Umwelt. Fehlt sie, zersplittert die Digitalisierung schnell – einzelne Organisationen investieren in Technologie, einzelne Projekte entwickeln gute Praxis, und überall entsteht Know-how, das nie zusammenfindet.
Ein nationaler Aktionsplan bündelt diese Best Practices und die mühsam gewonnene Erfahrung und lässt Organisationen trotzdem ihren eigenen Weg dorthin. Genau da steht Wales heute: Die Richtung ist gesetzt, und die schwierigere, spannendere Arbeit besteht nun darin, daraus Werkzeuge, Beispiele und Ressourcen zu machen, die Unternehmen wirklich nutzen können.
Erfolg misst sich für mich nicht daran, ob Wales die ausgefeilteste Digitalstrategie auf dem Papier hat. Erfolg heißt, dass mehr Organisationen verstehen, wie sinnvoller digitaler Fortschritt für sie aussieht – und dass sie sich zutrauen, den nächsten Schritt zu gehen.
Wenn andere Länder dieses gemeinsame Richtungsgefühl auf eine Weise schaffen, die zu ihrer eigenen Branche passt, dann spricht viel dafür, dass jedes von ihnen einen eigenen digitalen Aktionsplan haben sollte.
Mae Cymru Ddigidol yma. Das digitale Wales ist da.
Und es bleibt noch viel zu tun!
FAQs
Der Plan gibt eine gemeinsame Richtung für die digitale Entwicklung der gesamten walisischen Baubranche vor. Er entstand in Zusammenarbeit zwischen Industrie, Constructing Excellence in Wales und der walisischen Regierung und wurde nach jahrelanger gemeinsamer Arbeit einer branchengeführten Digital Advisory Group offiziell im Senedd vorgestellt.
Eine klassische Reifegradskala misst jedes Unternehmen am selben Standard, unabhängig von Rolle und Größe. Ein Digital Profile bildet stattdessen die unterschiedlichen Rollen, Organisationen und Projektumgebungen der Baubranche ab und berücksichtigt, dass ein Unternehmen aus guten Gründen in einem Bereich weit fortgeschritten und in einem anderen einfach aufgestellt sein kann.




